Die baulichen Überreste der Moderne sind Orte der Irritation. In Leipzig und anderswo sind diese architektonischen Erbstücke für viele zu unerwünschten Zeugen einer nicht mehr gewollten Vergangenheit geworden. Damit sie der Stadt nicht länger unbequeme Fragen über scheinbar überholte alternative Visionen des städtischen Zusammenlebens ins Gesicht schreiben, sollen die Bauten abgerissen werden und Platz machen für eine vermeintlich konfliktfreie unpolitische Version der Gegenwart: ein neues Einkaufszentrum vielleicht oder eine Tiefgarage. Diese erste von insgesamt sechs Ausgaben des General Panel Webmagazins greift die Irritation auf und fragt, wie moderne Architektur funktioniert – als Modell und gelebte Realität, als positive Utopie und totalitäre Machtstruktur. Und versteht sich so als Einladung darüber nachzudenken, welche Rolle die ideellen und materiellen Überreste moderner Architektur heute spielen können, wenn wir sie nicht völlig aus unseren Städten und Köpfen zu radieren bereit sind.
Föhrenwald
Ein Gespräch mit Michaela Melián über die Geschichte einer Siedlung aus der Perspektive der Kunst
Kunst goes Platte: Offenes Archiv für zeitgenössische künstlerische Positionen zu moderner Architektur.
In den letzten Jahren werden moderne Architekturen, wie die ostdeutsche "Platte", vermehrt zum Spielort für verschiedenste künstlerische und kulturelle Veranstaltungen. Hier wird recherchiert und interveniert, fotografiert, ausgestellt und experimentiert. Was führt die KünstlerInnen in die "Platte"? Was hat die Kunst von der "Platte" und was die "Platte" von der Kunst? Dieses offene Archiv stellt künstlerische Positionen vor, die sich mit Bauten der DDR-Nachkriegsmoderne oder ähnlichen Architekturen in anderen Ländern auseinandersetzen – sei es in ihrer formalen, architektonischen oder ihrer gelebten, sozialen Dimension oder auch ihrem utopischen Potential in Vergangenheit und Gegenwart.
1972 schlug der britische Architekt Martin Pawley auf der von der Allende-Regierung ausgerichteten International Housing Conference in Chile vor, verstärkt mit Selbstbau und der Wiederverwertung von Konsumresten zu arbeiten. Das von Pawley bereits zuvor in London erarbeitete Konzept des »Garbage Housing« wurde darauf an der Cornell University in konkreten Studienprojekten erprobt. Der interessanteste Beitrag aus diesen Forschungen, das Citroen Fourgonette Konstruktionssystem, basiert auf Autoteilen einer chilenischen Fabrikationsanlage für Citroen, die bei ausbleibender Motorenlieferung aus Belgien nur noch Karosserien herstellen konnte. Diese komplexe Situation diente als konkreter Ansatz für Studien zu einem Pilotprojekt, das sowohl die längst destabilisierten ökonomischen Zusammenhänge als auch die postkoloniale Situation in Chile reflektierte.